„Wenn die bunten Fahnen wehen…“
…, wenn die bunten Fahnen wehen, ist entweder Kirmes im Dorf oder aber irgendwo auf dieser Welt Fußballwelt-meisterschaft. Keine andere Sportart wird in Deutschland so emotional ge-feiert und so heftig diskutiert wie der Fußball. Immerhin haben wir auch 71 bis 72 Millionen Nationaltrainer mit ebenso vielen Expertisen… Und bei kaum einer anderen Sportart werden die Häuser und Straßen dermaßen mit Nationalflaggen geschmückt. … und das eigentlich erst seit dem sogenannten „Sommermärchen“ – der Fußballwelt-meisterschaft im eigenen Land. Eine bis dahin in Deutschland nicht gewohnte Begeisterung und ausgelassene Stim-mung machte sich über die Wochen des Turniers bemerkbar – ein neuer Nationalstolz wurde, nicht zuletzt auf-grund der Beflaggung mit der Nationalfahne, überall sichtbar. In den Jahrzehnen vor dieser Weltmeisterschaft war dieser Nationalstolz eher verhalten bisweilen gar nicht vorhanden – aber dann kam Kaiser Fanz und bescherte uns dieses Sommermärchen! – Selbst die Autos wurden an den unmöglichsten Stellen beflaggt: Dachreling, Motorhauben und die Außenspiegel bekamen noch einen Schlüpper übergestülpt.
… dem Franz sei Dank! – Und laut Herbert Grönemeyer war es höchste Zeit, dass sich was dreht!
So war´s dann beinahe auch in diesem Jahr! Wieder hingen überall die Nationalflaggen. Es hingen teilweise die Nationalfahnen von England, Spanien, der Türkei und von Deutschland brav und einträchtig neben-einander. So sollte es auch sein! – Na, ja… So manche Deutschlandfahne wurde von den rechtsorientierten Gruppierungen als deutliches politisches Signal gedeutet. Spannend war die Reaktion in den sozialen Netzwerken auf das Hissen der zwei riesengroßen Deutschlandfahnen in der Honschaft Alt-Venn. Man forderte dazu auf, diese Fahnen als Protest auch nach der Fußballweltmeisterschaft als politisches Signal hängen zu lassen – andere wiederum befürchteten, dass mit dem Hissen dieser Fahnen der Staatsschutz auf den Plan gerufen wird…
Die Honschaft Alt-Venn wollte mit dem Hissen dieser Fahnen lediglich bekunden, dass man die deutsche Nationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft auch symbolisch unterstützt – wie bei allen anderen Meisterschaften auch. Ein Zeichen der Zugehörigkeit. Übrigens: Es ist nicht verboten die deutsche Nationalfahne zu hissen – es sei denn, dass bestimmte „Hausordnungen“ ein solches Verbot aussprechen…
Solche Zeichen der Zugehörigkeit gibt’s aber auch zur Kirmes in Venn: Bereits in der sogenannten „Kränzerwoche“ sieht man an vielen Häusern in Venn die bunten Fahnen der acht Venner Honschaften. Zeichen der Zugehörigkeit zu den Honschaften, aber auch Zeichen der Freude über das Fest, oder auch einfach nur ein schöner Schmuck fürs Haus und fürs Dorf. Auch die Kirche, das Festzelt und nahezu sämtliche Straßenzüge des Dorfes werden anlässlich der Kirmes mit bunten Fahnen geschmückt. Dies ist alles ein Zeichen der Freude und Verbundenheit – keineswegs politischer Protest! … es heißt ganz einfach: Hier gehöre ich hin / hier komme ich her und hab´ Freude an diesem Fest! – Mehr nicht!
„…wenn die bunten Fahnen wehen, …“ ist übrigens ein sogenanntes „Fahrtenlied“ aus dem Jahr 1932, verfasst von Alfred Zschiesche und ein Jahr später vom Nerother Wandervogel veröffentlicht. Im Zuge der Gleich-schaltung der Jugendorganisationen wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten unter anderem auch die Organisation der Wandervögel verboten. Man adaptierte das mittlerweile sehr beliebte Wanderlied für ein Liederbuch mit „Kampfliedern“ – jedoch ohne die dritte Strophe. Diese wurde damals verboten, da der Bezug auf unabhängige und „wilde“ Jugendbünde unerwünscht war. Jugendgruppen im Untergrund sangen jedoch bei ihren Zusammenkünften stets die ungekürzte, verbotene, Fassung des beliebten Wanderliedes. Wollen wir hoffen, dass uns diese Zeiten von staatlichen Verboten und Reglementierung nicht wieder einholen und wir ein freies und demokratisches Land bleiben – allein die zurzeit vorherrschende politische Entwicklung lässt anderes befürchten.
Die Diskussion in den sozialen Netzwerken um die in der Honschaft Alt-Venn gehissten Deutschlandfahnen war schon absurd. Bashing, Beschimpfungen, Hass und Anfeindungen sind mittlerweile zur Normalität geworden in dem Land der „Dichter und Denker“. Das Niveau bei den sicherlich gewünschten kontroversen Diskussionen ist nahezu gänzlich abhandengekommen.
Apropos Diskussionen: Ich darf Sie und Euch alle zu Diskussionen und guten Gesprächen einladen! Nicht digital, versteckt hinter irgendwelchen Profilen in den sozialen Netzwerken – nein! – Ganz oldschool – analog! – Quasi vis-à-vis in den Biergärten oder aber an der Theke im Festzelt. Ich darf Sie und Euch einladen zu den Tagen der Freude und des miteinander Feierns bei uns zur Kirmes in Venn. Kommen Sie vorbei zu guten Begegnungen rund um das Schützenbrauchtum bei uns im Dorf – nehmen Sie und nehmt Euch eine Auszeit vom Alltag und all seinen Problemen! Bleiben wir für vier Tage mal etwas analog und oldschool!
Oldschool ist auch unser diesjähriges Königshaus: König Ralf Piesczek sowie seine beiden Minister Siggi Hüpkes und Harald Schnödewind. Sie sind zwar, gemessen am letztjährigen Königshaus, vielleicht etwas in die Jahre gekommen, aber dennoch steckt in den dreien die Erfahrung von Jahrzehnten des Schützenbrauchtums – sie haben die Gelassenheit des Alters, aber auch die ungestüme Tatkraft der Jugend! – Wünschen wir ihnen eine tolle Venner Kirmes!
Gleiches wünschen wir natürlich auch unseren Jungspunden: Jungkönig Jan Renkes, seinen beiden Rittern Finn Bennewitz und Maximilian Willems sowie Schülerprinz Forian Willms mit seinen Rittern Finn Claßen und Linus Manderfeld. Mögen auch diese sechs jungen Herren tolle Tage der Venner Kirmes erleben!
Bleiben wir möglichst alle im analogen Gespräch und erleben ein geselliges Miteinander! – Hängen wir unsere bunten Fahnen raus und erleben gemeinsam schöne Tage der Freude bei uns im Dorf über die vier Festtage der Venner Kirmes.
Herzlichst Ihr, bzw. Euer
Jürgen Zimmermanns
Präsident
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